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Nr. 11, Ausgabe 3, JSTORNEWS, Oktober 2007

Neue Richtungen: Ein Vortrag von John Burns, Director of Technology Planning bei JSTOR

Wir freuen uns, Ihnen John Burns vorzustellen, der kürzlich als Director of Technology Planning (Leiter für Technologieplanung) bei JSTOR angefangen hat. Wir haben John gebeten, uns ein wenig von seinem Werdegang, seiner neuen Funktion bei JSTOR und der Arbeit, die er hier in Angriff genommen hat, zu erzählen.

Es ist für mich eine Ehre, die Funktion des Director of Technology Planning bei JSTOR zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass ich vor zwanzig Jahren, zu Beginn meiner Karriere, den Pfad hätte voraussehen können, der mich zu dieser Rolle hingeführt hat. Ich habe in Birmingham, England, Mathematik studiert und war seitdem im Bereich Industrielle Mathematik tätig. Das Schöne an der Mathematik ist, dass man die gleichen Werkzeuge und Techniken in vielen verschiedenen Organisationen und Gebieten anwenden kann. Meine erste Aufgabe war der Bau von Satellitennavigationssystemen (NAVSTAR)—Vorläufer von GPS (Globale Positionsbestimmungssysteme)—für Decca, ein Unternehmen, das für die Herstellung von Verteidigungssystemen bekannt ist (und übrigens auch für die Herausgabe der ersten LP der Beatles durch die Plattenfirma!). Ich entwickelte anschließend Triebwerkssteuerungssysteme für Flugzeuge und arbeitete an robotischen Steuersystemen für die Herstellungsindustrie.

Wie kam ich mit meinem Hintergrund in Mathematik zum Buchverlagswesen? Nun ja, 1986 fing ich bei Hewlett-Packard Laboratories als Leiter der Netzwerksystemgruppe an. In den 20 Jahren, die ich bei HP war, war ich im Bereich Kryptographie, digitale Bildgebung (einschließlich Scanner und OCR) und Dokumente im Allgemeinen tätig. Meine Gruppe—die Abteilung Digital Content Remastering—war für die Erstellung von digitalen Archiven bei MIT Press und Time Magazine verantwortlich.

2006 verließ ich HP und wurde nach einer kurzen Tätigkeit bei Amazon.com von JSTOR angesprochen. Man schlug mir vor, eine neue Funktion zu übernehmen, die der Organisation helfen sollte, Anwendungen von neuen Technologien zu konzipieren und ihre Implementierung auf eine Weise zu planen, die für Wissenschaftler nützlich ist. Eine Gelegenheit, für ein Unternehmen wie JSTOR zu arbeiten, bietet sich einem nicht oft. Für JSTOR zu arbeiten ist attraktiv: Es ist nicht nur eine Organisation mit der Mission, positive Veränderungen zu fördern, wodurch sie sich von mehr kommerziell motivierten Firmen absetzt, sondern sie ist auch sonst sehr ungewöhnlich—keine andere Organisation leistet genau die gleiche Art von Arbeit. Seit Beginn meiner Tätigkeit bei JSTOR genieße ich meine Arbeit in dieser höchst angenehmen Umgebung, wo die Betonung auf dem Aufbau von kollaborativen Beziehungen und Partnern, sowohl intern als auch extern, liegt. Es ist ein sehr willkommener Wechsel vom wettbewerbsbetonten Arbeitsplatz, der für gewinnorientierte Umgebungen typisch ist.

Als Leiter der Technologieplanung ist meine umfassendere Rolle hier, gut durchdachte Optionen für die Zukunft von JSTOR bereitzustellen, aus denen wir dann eine Auswahl zur Investition und Entwicklung treffen können. Die Vorhersage der Zukunft gilt aber allgemein als fragwürdige Angelegenheit. Ich konzentriere mich darauf, JSTOR zu helfen, im vernünftigen Rahmen Spekulationen über die Zukunft anzustellen und zu überlegen, wie wir uns am besten darauf vorbereiten können, neue Technologien optimal für die akademische Gemeinschaft auszunutzen.

Mein erstes Ziel ist, die Exposition von enormen Informationsmengen in den archivierten zurückliegenden Ausgaben von Zeitschriften zu fördern. Momentan ist es nicht unbedingt leicht für jemanden zu wissen, welche Literatur es außerhalb seiner Zeitschrift oder seines Forschungsgebiets gibt. Es ist auch nicht leicht für jemanden, der neu in einer Disziplin ist, relevante und nützliche Artikel, die man lesen sollte, aufzufinden. Technologien wie Computerlinguistik, Verarbeitung natürlicher Sprache und statistische Analyse können das Auffinden von relevanter Literatur enorm vereinfachen, ebenso wie soziale und kollaborative Techniken wie Tagging und die sogenannten „Ameisenstraßen“ (Verfolgen von Wegen, die schon von ähnlichen Benutzern begangen wurden). Wir müssen Wissenschaftlern und Studenten helfen, die unüberschaubaren Sammlungen von Inhalten, die jetzt online abrufbar sind, zu navigieren. Darüber hinaus können aus den Inhalten—die selbst eine ungeheuer große Ressource sind—neue Kenntnisse gewonnen werden, z. B. die Evolution der Denkprozesse und Terminologie innerhalb einer Disziplin. Wir können nicht nur das Vorhandene verfügbar machen, sondern wir können auch neue Ressourcen mit Hilfe von Text-Mining und historischen Analysen von Texten erstellen.

Zum Beispiel ist es möglich, linguistische Analyse einzusetzen, um den Benutzern die Entdeckung von relevantem Material außerhalb ihrer vertrauten Zeitschriften oder ihres Fachgebiets zu erleichtern. Diese Art von Technologie wird es Suchmaschinen ermöglichen, intelligenter zu arbeiten, indem sie breit gefasste Konzepte und Themen erkennen und somit einem Benutzer ermöglichen, Artikel in Bezug auf ihr Thema über eine einfache Schlüsselwortsuche hinaus aufzufinden. Zum Beispiel wird der Benutzer, der eine Suche zum Thema „Jaguar“ durchführt, Artikel finden, die Erwähnungen von „große Katzen“ enthalten, selbst wenn das Wort „Jaguar“ nicht im Artikel erscheint. Es stehen fundierte linguistische und statistische Methoden dafür zur Verfügung.

Wir haben auch begonnen zu analysieren, in welcher Beziehung Mobilität zu JSTOR und seinen Benutzern steht. Insbesondere sind wir daran interessiert festzustellen, ob es derzeit Sinn macht, Inhalte aus dem JSTOR-Archiv an mobile Geräte zu liefern.

In jedem dieser Projekte sind wir bestrebt, mit anderen ähnlich orientierten Organisationen zusammen zu arbeiten, um zusammen die optimale Nutzung neuer Technologien zu ermöglichen. Insgesamt müssen JSTOR und andere Ressourcen auf die größte Herausforderung reagieren, mit der die wissenschaftliche Forschungsgemeinschaft heute konfrontiert ist: der Umgang mit der Explosion von Distributionskanälen (z. B. Blogs, Wikipedia, Vordruck-Archive, institutionelle Repositories). Die Herausforderungen bei der Ermittlung, wie man die Autorität und Qualität von wissenschaftlichem Material in diesen unvermittelten Kanälen garantieren kann, sind signifikant. Die Rolle von JSTOR und seinen Partnern besteht darin, die Systemvoraussetzungen zu schaffen, die sowohl die Ausforschung als auch die Gestaltung von hochwertiger wissenschaftlicher Aktivität erleichtern. Ich bin hocherfreut, dass ich über ein so fesselndes und wichtiges Thema nachdenken kann und freue mich auf die Arbeit mit Wissenschaftlern und anderen in der Gemeinschaft, um effektive Lösungen zu finden.