Skip to main content
Trusted archives for scholarship

Perspektiven

Anmerkung des Herausgebers: Wir begegnen gelegentlich Wissenschaftlern, deren Arbeit durch die Verwendung von JSTOR erheblich effizienter gemacht wird. Wir haben Prof. Philip R.P. Coelho und Prof. James E. McClure vom Institut für Wirtschaftswissenschaften der Ball State University gebeten, uns eine kurze Zusammenfassung ihrer Arbeit zu geben.

Philip R.P. Coelho
Professor für Wirtschaftswissenschaften, Ball State University
Muncie, Indiana

James E. McClure
Professor für Wirtschaftswissenschaften, Ball State University
Muncie, Indiana

Unsere Forschungsarbeit betrifft die Quantifizierung von methodischen Trends bei veröffentlichten Forschungsarbeiten in den Wirtschaftswissenschaften. Wir haben JSTOR zu Folgendem verwendet: 1) Quantifizierung der Trends und des Ausmaßes der komplexen mathematischen Analyse in den Wirtschaftswissenschaften; 2) Messung der Auswirkung der mathematischen Komplexität auf die Verwendung von praktischen ökonomischen Theorien und 3) Beurteilung des Einflusses von redaktionellen Entscheidungsprozessen auf die Zitierung in einer führenden wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschrift. Hier nehmen wir kurz Stellung zur Art unserer Forschungsarbeit und wie wir JSTOR anwenden konnten, um etwas zu erreichen, was ohne seine Verwendung zu zeitintensiv gewesen wäre.

Seit Anfang der 1900er Jahre waren sich Wirtschaftswissenschaftler nicht einig über die Nützlichkeit der Anwendung höherer mathematischer Komplexität. Alfred Marshall erklärte 1920, dass es ?offensichtlich? war, dass es in den Wirtschaftswissenschaften keinen Raum für lange Ketten deduktiven Denkens gab. Ungeachtet der Ansicht Marshalls stieg die mathematische Komplexität in den Wirtschaftswissenschaften an und Mitte des 20. Jahrhunderts machte Donald F. Gordon geltend, dass sich die ?Praxis der Proliferation und Manipulation von Funktionen auf recht unvorsichtige Grenzwerte hinbewegte? und zwar aufgrund der negativen Beziehung, die seiner Annahme nach zwischen der mathematischen Komplexität und empirischen Messung (Operationalismus) bestand. Gordons Beanstandung der wachsenden Verwendung von obskurantistischer Mathematik wurde von Wassily Leontief 1971 in seiner Ansprache des Präsidenten in der American Economic Association wiederholt. Wir verwandten die JSTOR-Archive zur Dokumentation der Trends in der Verwendung der Mathematik. Wir verwandten die JSTOR-Archive, um Textsuchen in wirtschaftswissenschaftlichen Artikeln durchzuführen, die Beispiele für mathematische Komplexität waren (diese Wörter waren ?Lemma? und ?multiple Gleichgewichte?). Diese Textsuchen wären ohne JSTOR zu teuer gewesen. Mit JSTOR konnten wir ein Datenset entwickeln, das die zunehmende mathematische Komplexität im Verlauf des 20. Jahrhundert eindeutig demonstriert. In vier führenden wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften steigt die Häufigkeit dieser Begriffe von wenigen oder null Artikeln pro Jahrzehnt bis 1960 auf 350 Artikel im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.

Wir verglichen zwei Stichproben von Artikeln aus der American Economic Review; eine Stichprobe hatte Artikel mit hohen Graden mathematischer Komplexität (aufgrund der von uns entwickelten Metrik); in der zweiten Stichprobe (zufällig erzeugt) von Artikeln kamen diese Begriffe nicht vor. Statistische Vergleiche der Stichproben lieferten die Beweise, die Gordons Hypothese unterstützten, dass mathematische Komplexität weniger wahrscheinlich war, empirisch getestet zu werden (oder, formeller ausdrückt, ?operationalisiert? zu werden). Unsere Ergebnisse zum fehlenden Empirismus in mathematisch komplexen Artikeln und den Trends in der Verwendung der Mathematik wurden im Southern Economic Journal 2005 und Econ Journal Watch 2008 veröffentlicht. Beide Artikel enthalten auch nähere Einzelheiten zu unserer Verwendung von JSTOR.

Wir setzen unsere Verwendung des JSTOR-Archivs fort, um verbundene Fragen zu untersuchen, und wir haben festgestellt, dass es für unsere empirischen Untersuchungen von sich entfaltenden Mustern in der Fachliteratur wesentlich ist. Zurzeit untersuchen wir, wie Referenzen sich auf Zitierungen auswirken. Wir verwenden JSTOR, um Textsuchen von Autorennamen durchzuführen. Ein nicht eingängiges Ergebnis, das sich herauskristallisiert hat, ist, dass die Anzahl der unabhängigen Zitierungen (nicht vom Autor des Quellartikels) positiv mit der Anzahl von Selbstreferenzen im Quellartikel korreliert.