März 2009, Nr. 13, Ausgabe 1 – Das Projekt Britische Flugblätter aus dem 19. Jahrhundert
Während des ersten Halbjahres 2009 wird JSTOR eine bedeutende Sammlung von Flugblättern von sieben größeren britischen Forschungsbibliotheken herausgeben. Dieses Projekt, das von der Arbeitsgruppe Digitalisierung der University of Southampton Library geleitet wird, wird durch das Digitalisierungsprogramm des Joint Information Systems Committee (JISC), finanziert und in Zusammenarbeit zwischen JSTOR und Research Libraries UK (RLUK), einem Konsortium von 29 der größten Forschungsbibliotheken Großbritanniens, entwickelt. Nach deren Fertigstellung wird die Sammlung Britische Flugblätter aus dem 19. Jahrhundert über mehr als zwanzigtausend Flugblätter verfügen, die von folgenden Universitäten stammen: University of Bristol, Durham, Liverpool, LSE (London School of Economics and Political Science), Manchester, Newcastle und UCL (University College London).
Faszinierender Inhalt
Zu den Britischen Flugblättern aus dem 19. Jahrhundert gehören mehrere vollständige persönliche und Familiensammlungen, die einen einzigartigen Einblick in das Zeitalter vermitteln. In den Flugblättern geht es um politische und soziale Probleme jenen Tages, denen mithilfe der von den Außen- und Kolonialministerien zusammengetragenen Materialien eine weltumgreifende Dimension verliehen wird.
Bei diesen Flugblättern handelt es sich häufig um umfangreiche Arbeiten, die mitunter aus hunderten von Seiten bestehen. Sie wurden für gewöhnlich von Einzelpersonen oder Interessengruppen herausgegeben und bringen eine Reihe von Meinungen zum Ausdruck, die oftmals polemischer oder propagandistischer Natur waren. Mit dieser Sammlung wird zum ersten Mal die Möglichkeit geboten, mittels JSTOR seltenes und weit verstreutes Material online anzusehen. Ein Wirtschaftshistoriker machte den Wert der Digitalisierung dieser Literatur deutlich:
- Ich musste herausfinden, was es in den 30er Jahren aus dem 19. Jahrhundert gekostet hat, einen Vierspänner zu mieten. Dank der Digitalisierung der Zeitung Times konnte ich darin nachschauen und ein paar verstreute Bezugnahmen auf den Preis finden. Das war zwar besser als gar nichts. Aber bei den meisten Informationen handelte es sich um Anzeigen, und die Preise lagen möglicherweise niedriger. Es hätte meine Nachforschungen erleichtert, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, Flugblätter zu dem Thema zu suchen und diese dann sofort zu lesen. Das Ergebnis wäre dann stärker und verlässlicher ausgefallen.
Eine innovative Zusammenarbeit
Der Ansatz des JISC zur Finanzierung umfangreicher Digitalisierungsprojekte basiert auf der Innovation sowie auf der Vermittlung von Inhalt. Auch wenn das Vorgehen beim Digitalisieren immer rationeller vonstatten geht, gibt es noch viele Herausforderungen bei der Anlage und Aufrechterhaltung umfangreicher digitaler Sammlungen, insbesondere solcher, die sich auf seltene historische Materialien konzentrieren. Bei der Erarbeitung des ursprünglichen Projektentwurfes ging es Research Libraries UK (RLUK) um eine Wertschöpfung für die Benutzer durch die Zusammenführung einer bedeutenden, aber zerstreuten Auswahl von weniger bekanntem Material aus dem 19. Jahrhundert in einer einzigen digitalen Sammlung. RLUK lag ebenfalls daran, die Ressource so vielen Forschern, Lehrkräften, Studenten und interessierten Gruppen wie möglich bekannt zu machen und für sie eine Strategie zur langfristigen Archivierung und Nachhaltigkeit zur Verfügung zu stellen. Die Zusammenarbeit mit JSTOR entstand dann als Reaktion auf diese Zielstellungen.
Die Zusammenarbeit basiert darauf, dass sich für die Partner, aber vorrangig für die Benutzergemeinschaft als Ganzes, ein Nutzen ergibt. Es ist für RLUK das erste Mal, dass eine Gruppe von Mitgliedsbibliotheken zusammen an einem gemeinsamen Digitalisierungsprojekt arbeitet und dabei das Fachwissen der Digitalisierungsabteilung der University of Southampton Library und den Beitrag von sieben Mitgliedsbibliotheken zusammenbringt. JSTOR stellt ihre Fachkenntnis zur Unterbringung und Archivierung der Sammlung zur Verfügung und beherbergt zum ersten Mal eine wichtige Sammlung von Originaldokumenten. Diese Entwicklung hat das Projekt zu einem besonders spannenden Ereignis gemacht.
Das Joint Information Systems Committee (JISC) verlangt als Geldgeber auf bestimmte Zeit freien Zugang zum Inhalt innerhalb von Großbritannien. Unter dem Nachhaltigkeitsmodell erhalten Britische Studenten und Wissenschaftler freien Zugriff auf die Sammlung, und die Bibliotheken, die Ihre Sammlungen zur Verfügung gestellt haben, können für den Eigengebrauch digitale Kopien beziehen. RLUK sieht JSTOR als einen geschätzten Partner an, mit dem sie eine ähnliche Mission und ähnliche Ziele verbinden. Im Laufe der zweijährigen Arbeit an diesem Projekt hat sich eine überaus gute Beziehung entwickelt, und wir hoffen, dass sich weitere Gelegenheiten für eine Zusammenarbeit ergeben.
Die Sammlung Flugblätter aus dem 19. Jahrhundert steht für JSTOR-Teilnehmer bis zum 30. Juni 2009 kostenlos zur Verfügung.
Mark Brown, Projektleiter für das Flugblätter-Projekt
Universitätsbibliothekar an der University of Southampton und Vorsitz der RLUK
