Juni 2009, Nr. 13, Ausgabe 2 - Perspektiven
Lacia Adamic, Schule für Informationstechnik und Studienzentrum für komplexe Systeme, Universität Michigan
Die akademische Recherche von Studenten und Wissenschaftlern bedarf eines komplexen Informationssystems. Als Fachbereichsmitglied der School of Information and Center for the Study of Complex Systems an der Universität von Michigan, war es mein Bestreben, ein solches System zu untersuchen und die Verhaltensmuster der Wissensgeneration zu beobachten. Meine Mitarbeiter und ich waren insbesondere daran interessiert zu erfahren was passiert, wenn Personen - oder auch bestimmte Publikationen - die Grenzen ihres Fachbereichs überschreiten. Wird ihr Einfluss durch die Zusammenfassung neuer Ideen über neuartige Wege größer? Oder befinden sie sich vor einem weniger rezeptiven Publikum, das durch mangelnde Eignung im Fachbereich gekennzeichnet ist.
Während uns diese Fragen brennend interessierten, war uns jedoch bewusst, dass die umfangreichen Daten, die zu ihrer Beantwortung erforderlich sind, nur schwer beschafft werden können. Obwohl wir durch Nachforschungen auf Patent- und Computer wissenschaftlichen Gebieten verblüffende und vielversprechende Ergebnisse fanden wussten wir, dass zur definitiven Beantwortung unserer Fragen umfangreiche und fachübergreifende Datensätze importiert werden müssten, die nur in wenigen Datenbanken vorhanden sind. Glücklicherweise stand JSTOR zu diesem Zeitpunkt mit Fachbereichsmitgliedern der Universität von Michigan in Kontakt, um eine potentielle Zusammenarbeit zu eruieren und befasste sich gerade mit der Organisation umfangreicher Artikel-Metadaten, wie Zitierungs- und Autorenangaben. Die Mitarbeiter der Universität gewährten uns in großzügiger Weise Einblick in ihre Daten und gaben uns Hinweise und Anleitungen, um diese sinnvoll auszuwerten.
Die JSTOR-Daten waren so umfangreich, das sie uns mehrere Monate beschäftigten. Die Analyse steht jetzt fast vor ihrem Abschluss, und wir können bereits über einige Ergebnisse berichten. Wir konnten herausfinden, dass die Zitierung einer Publikation über verschiedene Fachbereiche hinweg im engen Zusammenhang mit der Bedeutung der Publikation steht, wenn eine standardisierte Zitierung verwendet wird. Im Fall der naturwissenschaftlichen Publikationen und Patente. wurden diejenigen, die mindestens einmal zitiert werden, noch öfter zitiert, wenn sie sich auf Untersuchungen außerhalb ihres Bereichs stützen. Im Gegensatz zu den Gesellschaftwissenschaften, wo Zitierungen auf dem eigenen Gebiet eher eine positive Wirkung erzielen. Im Hinblick auf einzelne Personen, neigen diejenigen, die sich gern zwischen den Fachbereichen bewegen bzw. die anderen, die zu sehr auf einen Fachbereich fokussiert sind im Durchschnitt dazu, nicht so gut zu zitieren, wie jene, die es gewohnt sind, eine Bilanz zu erstellen. Ein bestimmter Grad der Fokussierung ermöglicht es dem Menschen, Sachkenntnis zu erwerben; es ist jedoch die Vielfalt, die auf eine vielseitige Begabung des Intellekts und die Fähigkeit Wissenslücken zu schließen, hinweist.
Damit letztlich bestimmte Ergebnisse einen Sinn ergeben, haben wir die neuen JSTOR-Daten für die Untersuchung des Beta Web Interface (http://dfr.jstor.org) verwendet, um schnell und einfach die einzelnen Dateien der Autoren-Publikationen in den verschiedenen Fachbereichen zu finden und anzeigen zu können. Mit Hilfe von Daten, die uns ausschließlich von JSTOR zur Verfügung gestellt werden, sind wir in der Lage, diese Vergleiche durchzuführen und unsere Schlüsse zu ziehen. Ich glaube, dass JSTOR durch die direkte Zusammenarbeit mit Forschern und seinen öffentlich verfügbaren Data Research Service bewiesen hat, absolut offen und aufgeschlossen der Forschung gegenüber zu sein und dass diese Offenheit zu wichtigen neuen Entdeckungen in der Szientometrie und anderen Bereichen führen wird.
